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Myzel-Flüssigkultur (LC): Rezept, Profi-Methode & Fehler vermeiden
Die Flüssigkultur (LC) ist ein wichtiges Werkzeug, um sterile Körner schnell zu inokulieren, einen sauberen Stamm zu vermehren und mehr Regelmäßigkeit zu erreichen. Dieser Leitfaden richtet sich an fortgeschrittene Hobbyisten und Profis/Semi-Profis: zuverlässige Rezepte, Sterilisation, Inokulation, Qualitätskontrolle, Lagerung und Fehler, die Serien ruinieren.

1) Was ist eine Flüssigkultur (LC)?
Eine Flüssigkultur (LC für Liquid Culture) ist ein steriles wässriges Medium, das eine Kohlenstoffquelle (verwertbare Zucker) und manchmal eine Stickstoffquelle (Pepton, Hefe…) enthält, in dem sich das Myzel in Fäden und Fragmenten entwickelt. Das Ziel ist nicht, „Pilze im Wasser zu züchten“, sondern ein schnelles, homogenes und leicht verteilbares Inokulum zu produzieren (Spritze / Injektionsport).
LC vs Sporen vs Korn: wann was verwenden?
- Sporen → Agar: einen Stamm isolieren/reinigen (Sporen tragen oft Kontaminanten).
- Agar → LC: der sicherste Weg, um eine saubere LC zu starten.
- LC → steriles Korn: der effektivste Weg, um homogenes Spawn zu produzieren.
- Korn → Korn: schnell, aber Vorsicht vor Kaskaden (Drift, Seneszenz, latente Kontaminationen).
Profi-Regel: LC dient zur Inokulation von sterilem Korn (oder einer neuen LC), und das Agar dient zum Nachweis der Sauberkeit.
2) Warum DIY LC scheitern (auch wenn es weiß aussieht)
Die wiederkehrenden Ursachen:
- Zu nährstoffreiches Medium: Zuckerdosierung zu hoch = osmotischer Stress + Vorteil für Bakterien.
- Unzureichende/variable Sterilisation: instabiler Druck, zu kurze Zeit, zu großes Volumen.
- Inokulation in ungeeigneter Umgebung: Ein Glas in einer „sauberen Küche“ zu öffnen = hohes Risiko.
- Fehlende Qualitätskontrolle: „Es ist klar, also ist es gut“ ist ein häufiger Fehler.
- Schlechte Rührung: keine Sauerstoffzufuhr, kompakte Massen, inhomogene Probenahme.
Die häufigste Falle: Eine LC kann optisch „sauber“ erscheinen, dann aber das Korn kontaminieren. Der Agar-Test vor der Produktion ist der wichtigste Schutz.
3) Material: Werkstattversion vs. Pro-Version

Seriöse Werkstattversion (fortgeschrittener Amateur)
- Glasgefäße (250 ml bis 1 L)
- Deckel mit Injektionsöffnung + Filter (Gasaustausch)
- Schnellkochtopf/Autoklav stabil bei 15 psi
- Waage (0,1 g empfohlen), 70 % Alkohol
- Sterile Nadeln und Spritzen, Skalpell (bei Agar)
- SAB (Still Air Box) oder idealerweise laminare Strömungshaube
Pro-Version (empfohlen, wenn Sie regelmäßig LC machen)
- Laminare Strömungshaube: Erfolgssteigerung + Komfort
- Magnetrührer (oder sterilisierbare Murmeln)
- Systematische Qualitätskontrolle auf Agar
Empfohlenes Mycosphere-Equipment
4) Rezepte: Honig vs. Profi-Rezept

Goldene Regel: Bei etwa 2 % Zucker ist das Wachstum meist schneller und kräftiger.
Um ca. 4 % wird die Kultur weniger dynamisch, bleibt aber länger lagerfähig.
Darüber hinaus steigt der osmotische Stress und Kontaminationen werden problematischer.
Rezept 1 — Einfach & funktional (Honig / Glukosesirup)
Für 1 L:
-
Destilliertes Wasser: 1000 ml
-
Honig oder Glukosesirup: 20 g (2%) bis 40 g (max. 4%)
Vorteil: einfach. Nachteil: oft trüber, weniger zuverlässige Kontaminationsbeobachtung, variable Leistung.
Rezept 2 — Klar & kräftig professionell
Für 1 L:
-
Destilliertes Wasser: 1000 ml
-
Light Malt Extract (LME): 10 g
-
Dextrose: 3 g
-
Pepton (sehr nützliche Option): 0,2 bis 0,5 g
Warum es besser ist: besser verwertbare Zucker, gleichmäßiges Wachstum, bessere Klarheit, erhöhte Reproduzierbarkeit.
Rezept 3 — Ausgewogene Multi-Quellen (Typ Karo + LME + Pepton)
Für 1 L:
-
Destilliertes Wasser: 1000 ml
-
Glukosesirup (Typ Karo): 10–15 ml
-
LME: 5–8 g
-
Pepton: 0,2–0,4 g
Merken
Die „Robustheit“ ergibt sich nicht nur aus der Vielfalt der Zutaten, sondern vor allem aus: Sauberkeit (Agar/QC), kontrollierter Dosierung, Sauerstoffzufuhr, sauberer Umgebung.
5) Zuverlässiger Deckel: Injektionsöffnung + Filter
Ein LC-Glas muss das Inokulieren und Probennehmen ohne Öffnen ermöglichen und gleichzeitig einen gefilterten Gasaustausch sicherstellen. Die empfohlene Anordnung: 1 Injektionsöffnung + 1 hydrophober Filter.
6) Sterilisation: die richtigen Parameter

Einfache Einstellung (Standard)
- 15 psi
- Aluminium auf dem Deckel zum Schutz des Filters vor Feuchtigkeit
- Vollständiges Abkühlen vor Inokulation
Zeitangaben bei 15 psi
| Volumen pro Glas | Empfohlene Zeit |
|---|---|
| 250 ml | 20–25 min |
| 500 ml | 30–35 min |
| 1 L | 40–45 min |
Wenn Sie wiederkehrende Ausfälle haben, verlängern Sie die Dauer leicht: Die Kosten einer kontaminierten Charge sind immer höher als ein paar Minuten mehr.

7) Inokulation: Methoden und Profi-Wahl
A) Agarkeil
Sehr gut, wenn Sie unter einer Abzugshaube (oder sauberem SAB) arbeiten. Vorteil: selektierbares Myzel. Nachteil: Glas öffnen, daher höheres Kontaminationsrisiko.
B) Saubere Flüssigkultur-Spritze (im Profi-Bereich empfohlen)
Inokulation über Injektionsport, ohne zu öffnen: das ist der einfachste, schnellste und reproduzierbarste Weg.

Einfachste Option für einen sauberen Start
Verwenden Sie eine fertige und saubere LC-Spritze und führen Sie dann Ihre Qualitätskontrolle auf Agar vor der Spawn-Produktion durch.
C) Sporen direkt in LC (im Profi-Bereich nicht empfohlen)
Sporen können Kontaminanten tragen; LC ist ein Medium, das alles verstärkt. Im Profi-Bereich: Sporen → Agar → saubere Übertragung.
8) Rühren & Sauerstoffzufuhr: Leistung steigern
Ohne Rühren bildet das Myzel kompakte Massen und wird schlecht mit Sauerstoff versorgt. Mit kontrolliertem Rühren erhalten Sie homogenere Fragmente, eine gleichmäßigere Substratkolonisation und eine zuverlässigere Entnahme.
Optionen
- Magnetrührer + Rührstab: ideal
- Sterilisierbare Murmel/Kugel: sehr gut
- Tägliches manuelles Schütteln: akzeptabel
Tipp: Vermeiden Sie am Tag 1 das „Mixer“-Rühren. Lassen Sie zuerst das Netzwerk sich etablieren.
9) Inkubation: Temperatur, Dauer, erwartete Anzeichen
| Art (Beispiele) | Referenztemperatur | Hinweis |
|---|---|---|
| Austernpilze | 22–26°C | In der Regel schnell und tolerant |
| Shiitake | 20–24°C | Oft ruhiger, Geduld erforderlich |
| Reishi | 24–28°C | Sehr kräftig, schnelle Kolonisation |
| Löwenmähne | 20–24°C | Myzel manchmal fein, Rühren hilfreich |
Im Allgemeinen ist eine gut gestartete LC in 7 bis 14 Tagen verwendbar (manchmal 2–3 Wochen). Erwartetes Aussehen: insgesamt klare Flüssigkeit + weißes Myzel in feinen Fäden/Flocken.
10) Qualitätskontrolle (QC): der Profi-Standard
Wenn Sie auf Profi/Semi-Profi abzielen, ist QC keine Option: Es verhindert, dass eine „fast saubere“ LC Kilo von Substrat kontaminiert.
QC #1 — Haltbarkeit (bei einem kleinen Testbatch)
Nach der Sterilisation lassen Sie nicht inokulierte Gläser 7 bis 14 Tage ruhen. Wenn es trüb wird: Problem mit der Sterilisation oder Dichtigkeit.
QC #2 — Agar-Test vor Spawn-Produktion (empfohlen)
Nehmen Sie 1–2 Tropfen über die Injektionsstelle, geben Sie sie auf Agar, beobachten Sie 3–5 Tage. Sauberes Weiß = OK. Jegliches zweifelhaftes Verhalten = verwerfen.
11) Kontaminationen: erkennen & entscheiden
Bakterien
- Trübe/milchige LC, feiner Niederschlag, saurer/gäriger Geruch (bei Öffnung)
- Falle: manchmal unauffällig in LC, dann Explosion im Korn
Schimmel
- Grüne Punkte, dunkle Partikel, Inseln an der Wand, nicht weiße Wachstum
Profi-Regel
Wenn Sie unsicher sind: wegwerfen. Eine LC kostet wenig. Kontaminiertes Korn kostet Zeit, Platz und erhöht das Kreuzkontaminationsrisiko.
12) Seneszenz, Drift, Generationen
Wiederholte Ausweitung (LC → LC → LC…) erhöht das Risiko von Drift und Kraftverlust. Selbst ohne komplexe „Biobank“ macht das einfache Begrenzen der Generationen und Beschriften den Unterschied.
- Arbeiten Sie mit einer „Mutterkultur“ (Agar/Slant wenn möglich)
- Erstellen Sie „Arbeitskulturen“ für die Produktion
- Notieren Sie die Generationen: G0, G1, G2…
13) Wie viel LC zur Inokulation von Korn?
Nützlicher Anhaltspunkt: 5 bis 10 ml LC pro 1 kg steriles Korn. Zu wenig = langsam. Zu viel = Feuchtigkeitsüberschuss, Pfützenbildung, anaerobe Zonen, begünstigte Kontamination.
Tipp: Ein gutes „Schütteln“/Massieren nach der Injektion, um Verteilung zu fördern und feuchte Taschen zu vermeiden.
14) Lagerung: Haltbarkeit & bewährte Praktiken
- Kurzzeitlagerung (Produktion): 2–3 Wochen unproblematisch bei sauberer LC
- Kühlschrank: meist 3–6 Monate (je nach Art und Dichte variabel)
- Vollständige Beschriftung: Art/Stamm, Datum, Rezept, Generation, Agar-Test (Datum + Ergebnis)
15) Schritt-für-Schritt-Anleitung (pro, reproduzierbar)
Schritt 1 — Medium vorbereiten
- Messen Sie das destillierte Wasser ab.
- Fügen Sie die Nährstoffe hinzu (empfohlenes Profi-Rezept).
- Mischen bis zur Auflösung (sanftes Erwärmen ist OK).
- Füllen Sie die Gläser, lassen Sie oben Luft.
- Fügen Sie einen magnetischen Rührstab oder sterilisierbare Murmel hinzu.
Schritt 2 — Verschließen & schützen
- Injektionsstelle + hydrophober Filter.
- Aluminium oben (Schutz des Filters).
- Überprüfen Sie die Dichtigkeit der Elemente.
Schritt 3 — Sterilisieren
- 15 psi, Zeit je nach Volumen.
- Vollständig abkühlen lassen.
Schritt 4 — Inokulieren (empfohlene Methode)
- Desinfizieren Sie die Injektionsstelle.
- Verwenden Sie sterile Nadel/Spritze.
- Injizieren Sie ein angemessenes Volumen (z.B. 1–5 % des Volumens).
Einfachste Option: mit einer sauberen LC-Spritze beginnen. Unsere Flüssigkulturspritzen ansehen
Schritt 5 — Inkubieren & schütteln
- Bei der für die Art geeigneten Temperatur inkubieren.
- Täglich mäßig schütteln.
Schritt 6 — Qualitätskontrolle
- Agar-Test vor der Korninokulation (stark empfohlen).
- Im Zweifel verwerfen.
16) Warum eine LC-Spritze kaufen statt alles selbst machen?
Die Profi-Frage ist nicht „Kann ich?“, sondern „Wann lohnt es sich?“. Eine saubere LC-Spritze + QC auf Agar = schneller, reproduzierbarer Start und oft günstiger als eine Versuchsreihe.
Sauber und schnell starten
Wenn Sie eine neue Art/einen neuen Stamm starten oder Ihren Prozess absichern wollen, beginnen Sie mit einer sauberen LC.
17) Häufige Fehler (und wie man sie vermeidet)
- Zu viel Zucker: Ziel 2 % (max. 4 %).
- Sterilisation „nach Gefühl“: standardisieren Sie Druck, Zeit, Volumen.
- Gefäß außerhalb sauberer Umgebung öffnen: bevorzugen Sie Injektionsanschluss + Abzugshaube/SAB.
- Kein Agar-Test: das ist die Garantie für eine verlorene Serie.
- Spritzen/Nadeln wiederverwenden: Kontamination fast sicher.
- LC→LC zu oft multiplizieren: Verwalten Sie die Generationen.
18) FAQ
Was ist das beste Rezept für Flüssigkultur?
Für einen professionellen Ansatz: LME + etwas Dextrose + eine sehr geringe Menge Pepton ergibt ein kräftiges, reproduzierbares Wachstum, oft klarer als reiner Honig.
Reicht Honig aus, um eine LC herzustellen?
Ja, das kann funktionieren. Aber es ist variabler, oft trüber und weniger „lesbar“ zur Erkennung von Kontaminationen. Für Profi-/Semi-Profi-Ziele bevorzugen Sie ein Rezept mit LME/Dextrose.
Wie lange dauert es, bis eine LC fertig ist?
In der Regel 7 bis 14 Tage, manchmal 2 bis 3 Wochen je nach Art, Temperatur, Nährstoffreichtum und Rührung.
Wie erkenne ich, ob meine Flüssigkultur kontaminiert ist?
Anzeichen: Trübung, Farben, dunkle Partikel, abnormales Verhalten. Der zuverlässigste Test: 1–2 Tropfen auf Agar, Beobachtung 3–5 Tage.
Welche Menge LC für 1 kg Korn verwenden?
Richtwert: 5 bis 10 ml pro kg sterilem Korn, dabei überschüssige Feuchtigkeit und Flüssigkeitstaschen vermeiden.
19) Profi-Checkliste (zum Kopieren)
- Dosiertes Rezept (2 % ideal, 4 % max)
- Gefäß mit Injektionsanschluss + Filter (keine Öffnung)
- Sterilisation 15 psi, standardisierte Zeit
- Inokulation in sauberer Umgebung (SAB/Abzugshaube)
- Tägliche kontrollierte Rührung
- Agar-Test vor dem Korn
- Vollständige Etikettierung (Datum, Stamm, Generation, Test)
Empfohlenes Mycosphere-Equipment




